Entstehung von DEFKA

Wie Alles Begann


Die Antwort auf die häufig gestellte Frage: „Wann beginnt das Leben?“ wird gerne mit
„Wenn die Kinder aus dem Haus sind.“ beantwortet.

So auch in unserem Fall. Nachdem im Frühjahr 2013 unsere Kinder „ausgeflogen“ waren, begannen wir unser Haus zu renovieren. Hierzu mussten auch diverse Baustoffe transportiert und zwischengelagert werden. An einem Tag belud ich mein Auto vier Mal randvoll mit schweren Säcken. Da meine Frau zu diesem Zeitpunkt im Haus bereits gesaugt und gewischt hatte, wählte ich den Umweg durch den Garten, um die Säcke im Keller trocken zu lagern. Beim Transport des vierten oder fünften Sackes ging mir die Kraft aus. Er entglitt meinen Händen und schlug auf dem Weg auf, welcher in den Garten zwischen der Tujahecke und unserer Garage führt. Dieser ist mit rauen Rasengittersteinen gepflastert. Hierbei platzte er natürlich an der Seite auf. Ich war wegen der „Sauerei“ und der damit verbundenen zusätzlichen Arbeit stinksauer. Mit dem linken Fuß „entsorgte“ ich den bereits aus dem eingerissenen Sack entstandenen „Haufen“ unter die Tujahecke und kümmerte mich nicht mehr weiter darum. Der aufgeplatzte Sack wurde noch im Keller verräumt.

Den Sommer über wurde dann fleißig an den unterschiedlichsten Stellen im Haus gebaut, gewerkelt, renoviert und modernisiert. Im Herbst 2013 stand dann noch die letzte Baumaßnahme an. Eine Niveauangleichung des Hofpflasters an die Garageneinfahrt.

Die Arbeit an diesem Tag ging uns gut von der Hand. Kurz nach Mittag konnten wir bereits damit beginnen, den Untergrund des frisch verlegten Pflasters zu verdichten. Als unser Haus- und Hofpflasterer Walter mit der Rüttelplatte unterwegs war, „spitzte“ er um das Garageneck Richtung Garten und meinte, in dem für ihn typischen Allgäuer Dialekt: „jetzt isch grad mal Oins, bis um Viere schaff mer des oh no“. Er meinte die vor über zwanzig Jahren verlegten Rasengittersteine, welche sich über die lange Zeit hinweg schon gesetzt hatten und mittlerweile eine Berg- und Talbahn bildeten. Da Walter keine Widerrede zuließ (obwohl wir nach den ganzen Renovierungsmaßnahmen total genervt waren) entfernte ich die Rasengittersteine, meine Frau reinigte diese, Walter zog die Planee und ich verlegte die Rasengittersteine wieder in deren ehemalige Position. Dabei fiel mir auf, dass gerade in dem Bereich unter der Tujahecke, in welchen ich ca. fünf Monate vorher den „Haufen“ reingetreten hatte, weder frische „Katzenhäufchen“ waren, noch dass es nach „Markierungen“ roch. Die Tujahecke machte auch insgesamt einen optisch besseren Eindruck. Lediglich einige alte, bereits fast verrottete „Katzenwürsterl“ fand ich noch zwischen den Stämmen. Ich zählte „Eins und Eins“ zusammen. So entstand die Idee für DEFKA.

Um sicher zu gehen züchtete ich mir nord- und südseitig gelegen jeweils ein Katzenklo. Es kam mir darauf an, Feuchtigkeit zu vermeiden, die Erde schön locker zu halten und jeden Tag den Haufen, sowohl im Einen als auch im Anderen, fotografisch zu dokumentieren, zu entsorgen,
die Erde frisch einzuebnen und nochmals fotografisch fest zu halten. Dies alles wurde über den Zeitraum vom 01. Oktober bis 31.Dezember 2013 tagtäglich um 16:00 Uhr so praktiziert.

Bild Katzenklo Süd „mit Haufen“

Am 01. Januar 2014 brachte ich dann DEFKA zum ersten Mal auf meinen Testflächen aus und goss es an. Da in diesem Winter sehr milde Temperaturen herrschten und fast kein Schnee lag, war ich von der Wirkung schon fasziniert. Bereits am nächsten Tag fand ich zwar noch Spuren von Katzenpfoten auf meiner Testfläche, aber es musste kein „Haufen“ entsorgt werden. Nach drei Tagen waren selbst Katzenspuren nicht mehr in der trockenen, aufgelockerten Erde erkennbar. „Hinterlassenschaften“ wurden auch keine mehr entsorgt. Dies hielt ich unverändert tagtäglich um 16:00 Uhr bis Mitte März 2014 fotografisch fest. Ich stellte dies dann ein, da ich keine Lust mehr hatte, „Nichts“ zu fotografieren (siehe Registerkarte „Anwendung und Fakten“).

Bild Katzenklo Süd „ohne Haufen“

Im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis wurde nun diskutiert. Wieso, Weshalb, Warum erzielte mein Mittel diesen Erfolg auf nunmehr sechs Testflächen so nachhaltig?
Die Erklärung hierfür lieferte mir ein befreundeter Doktor der Biologie. Seine Erklärungen waren schlüssig. Bedingt durch dieses Gespräch entstand auch der Firmenname „DEFKA“. Der Biologe bestärkte mich in unserem Vorhaben, sprach mir Mut zu und meinte, dass wir mit unserem Mittel vielen Menschen einen Gefallen erweisen könnten, wenn wir dies vermarkten würden.
Nun hatte ich „Blut geleckt“. Bis zur finalen Produktionsreife war es jedoch noch ein langer Weg.
Das doch schon eher recht grobe und ungleiche Ausgangsmaterial wollte zuerst einmal in eine angenehme Form gebracht werden. Der zukünftige Kunde sollte „etwas in der Hand“ haben. In der ersten Testreihe kam ein Mörser zum Zuge. So sehr ich mich auch abmühte, den Rohstoff interessierten meine Bemühungen „nicht die Bohne“. Letztendlich brach dann auch noch der Mörserstößel ab. Genervt blickte ich mich im Keller um. Irgendwie musste man dem Zeug doch beikommen. Kurz entschlossen griff ich zum Hammer. 500 Gramm Stahl sausten kurz entschlossen in einen vorbereiteten Haufen des Mittels. Es flogen im wahrsten Sinne des Wortes „die Fetzen“. Die Arbeitsplatte, der Boden, ja sogar ich waren über und über mit kleinen Fragmenten bedeckt. Klar war nun jedoch, dass irgendwo so zwischendrin die Lösung des Problems liegen musste. Mahlen war suboptimal und Schlagen zu heftig.

Bild „500 g Hammer“ (Edi)

Da meine Frau und ich in der Adventszeit 2013 unter anderem auch Spritzgebäck angefertigt hatten, erinnerte ich mich des hierfür verwendeten mechanischen Fleischwolfes. Kurzerhand ging ich in den Vorratskeller, schnappte mir diesen und montierte ihn auf meiner Arbeitsplatte. Den Rohstoff in den Trichter und die Handkurbel angeschmissen. Jack! Es funktionierte. Ich bekam als Ergebnis ein Granulat, etwa in der Form wie ich mir es vorgestellt hatte. Griffig, aber weder zu fein noch zu grob. Euphorisch machte ich mich ans Werk. Im Schweiße meines Angesichtes, die Heizung war längst aus, musste ich mir aber nach circa einer halben Stunde wilder „Kurbelei“, durchgeschwitzt und mit „glühender“ Oberarmmuskulatur eingestehen, dass die gewonnene Menge, ca. 100 Gramm, zwar in Aussehen, Form und Farbe meinen Ansprüchen gerecht wurde, eine auf Menge ausgerichtete Produktion mit dieser Art aber nicht praktikabel war. Enttäuscht gab ich für diesen Abend meine Versuche auf.

Bild „mechanischer Fleischwolf, Schweißband, feuchtes T-Shirt“ (Edi)

Mehrere Abende des Grübelns und der Überlegungen folgten. Der einzig vermeintlich brauchbare Lösungsansatz war, dem Ausgangsprodukt mit einem elektrischen Fleischwolf zu Leibe zu rücken. Gesagt – getan. Dank des Internet war ich drei Tage später stolzer Besitzer eines elektrischen Fleischwolfes. Einwandfrei ließ sich die Maschine im Trockenlauf bedienen. Sie machte sich zwar durch die Geräuschkulisse schon deutlich bemerkbar, aber es war von der Lautstärke her durchaus vertretbar. Kurz entschlossen gab ich eine Portion unseres Rohstoffes in den Fülltrichter und schaltete die Maschine an. Was unmittelbar folgte, war ein ohrenbetäubender Lärm, verbunden mit erkennbar materialaufreibenden Geräuschen, welche nach ca. drei Sekunden Betriebsdauer urplötzlich verstummten. Warum? Die nagelneue Maschine war kaputt! Ich lies für diesen Abend alles so wie es war, machte den Keller zu und ging zu meiner Frau aufs Sofa, um endlich Mal wieder das Fernsehprogramm „genießen“ zu können.

Bild: „Warum hat´s den Antrieb schon wieder zerlegt?“

Diese Thematik beschäftigte mich aber trotzdem weiter. Bereits die Tage darauf verbrachte ich die Abende wieder bei meiner Idee und nicht bei meiner Frau. Diese lies mich geduldig und mit stoischer Ruhe meine Vision verfolgen. Irgendwie musste es doch möglich sein, unseren Rohstoff „klein zu kriegen“.

Bild „orange Schnitzermühle und stochern“; Txt: „So geht´s auch nicht!“ (Edi)

Als nächstes kam unser Pürierstab, welcher eigentlich zur Herstellung unserer Marmelade angeschafft wurde, zum Einsatz. Das rasche Ergebnis war auch akzeptabel. Also erneut „www.internet.juhu“ und einen Standmixer gekauft. So einen mit Ice-crush Funktion. Was von oben (Pürierstab) geht - geht auch von unten. Sofort nach der Lieferung machte ich mich ans Werk. Inzwischen war ich ja vorsichtig geworden und begann mit einer geringen Menge. Das Resultat war gut und brauchbar. Also befüllte ich den Glasbehälter halbvoll, Deckel drauf und startete die Maschine in der Crush-Funktion. Irgendwie hatte ich jedoch bald das Gefühl, dass es „nicht richtig Vorwärts geht“ und schaltete in den Normalbetrieb. Die Maschine lief nun kontinuierlich und gleichmäßig. Jetzt sah das Ganze schon besser aus. Das Material wurde
schnell kleiner und feiner. Ich ging zum Waschbecken um meine Hände abzuspülen, als es auf einmal einen lauten „Knacks“ gab. Ich bemerkte gerade noch, dass der Glasbehälter mehrere Risse hatte, als im nächsten Moment abermals „die Fetzen“ flogen. Der Motor und der Messereinsatz liefen aber unbeirrt weiter. Unser Keller präsentierte sich jetzt aber als Schlachtfeld.
Überall Glassplitter, Granulat, Staub und vor allem ein nicht zuordbarer Gestank hing noch zusätzlich in der Luft. Sofort war mir klar, dass unser Produkt zum einen geruchsbasierend seine Wirkung entfaltet, zum anderen aber nicht zu stark erwärmt werden darf, da ich mir an den Glassplittern beim Aufräumen fast die Finger verbrannt hätte. Weil die nächste Maschine kaputt war, beendete ich für diesen Abend meine Tests.

Bild „Verlassen Keller, Türe halboffen, Kopf tief“ (Edi)

Viele Abende der Internetrecherche folgten, um eine Maschine zu finden, welche für meine Zwecke die nötigen Voraussetzungen mitbrachte. Fündig wurde ich dann in Italien. Das bestellte Gerät brauchte zwar seine Zeit, bis es geliefert wurde, aber die ersten Ergebnisse waren ausbaufähig und bedurften eigentlich nur noch Justierarbeiten an der Maschine.

Bild „Feinjustierung“ Hammerwerk (mit Zigarette?)

Nachdem die Herstellung des Grundstoffes finalisiert war, ging es nun an die Farbanpassung für die unterschiedlichen Anwendungsbereiche. Natürlich kann man ein hellblaues Granulat in einem Sandkasten ausbringen. Es sieht halt komisch aus und im Einsatzbereich der Gräber auch nicht unbedingt pietätvoll. Da ich mir zum Ziel gesetzt hatte, ein rein biologisches Produkt auf dem Markt einzuführen, war mal wieder das Internet gefragt. Die ersten Versuche mit Lebensmittelfarbe, ob flüssig oder in fester Ausgangsform, waren zum Scheitern verurteilt. Entweder war die Sättigung schlecht, die Farbe haftete nicht oder der Farbton war gar nicht erhältlich. Durch Zufall stieß ich bei meinen Recherchen auf einen Hersteller aus Frankreich, welcher mir ein Farbpulver zu einem annehmbaren Preis anbot. Aber auch dieser haftete nicht bleibend am Produkt.
Bild „Farbe mischen im gelben Meßbecher, Gelb und Schwarz“ (Edi)
Es begann die Suche nach einem organischen Bindemittel. Aus meiner Erinnerung kramte ich einen Trick meiner Oma heraus. Eines Tages brach ihr beim Kuchenbacken einmal ein Teil ab. Meine Oma „klebte“ dieses Fragment mit Eiweiß an den Kuchen und man sah nicht einmal die Beschädigung. Jeder kann sich denken, dass die Tests hiermit eigentlich schon zum Scheitern verurteilt waren. Zwei drei Tage war ja alles gut. Danach begann das Eiweiß aber zu faulen und unsere Nachbarn „rümpften“ deutlich die Nase. Es musste was anderes her.

Bild „Hexenküche“

Zwei andere Bindemittel weckten mein Interesse. Mit diesen produzierte ich jeweils ein Farbpulver und brachte es auf unserem Granulat an. Eine meiner Forderungen war ja auch, dass es bei Regen und Feuchtigkeit trotzdem am Produkt haften blieb. Nach der gebotenen Ruhephase gab ich unsere Artikel getrennt voneinander in flache Schüsseln. In dem Maße wie ich das jeweilige Granulat mit der Gießkanne befeuchtete, löste sich die Farbe. Wiedermal war ich frustriert. Mit hängendem Kopf ging ich zu meiner Frau und teilte ihr den Misserfolg mit. Gelassen nahm diese die Nachricht auf. Sie plädierte dafür, dass „ich den Mut nicht verlieren solle und das mir, wie bereits öfters geschehen, schon noch eine Lösung einfallen würde“. Trotzdem kam ich von meinen Gedankengängen nicht ab. Mit meiner Hypothese musste ich doch richtig liegen! Mein „Bauch“ sagte mir das. Kurzentschlossen sagte ich zu meiner Frau: „Ich schütt´ jetzt alles zusammen. Entweder die Garage fliegt in die Luft oder es funktioniert!“ (siehe Bild „Gleich kracht´s“).

Bild (Edi) Kradhelm, Tauchbrille, Mundschutz

Wieder ab in den Keller und frohgemut ans Werk, um das Bindemittel mit der erforderlichen Vorsicht zu mischen. Gott sei Dank hat´s nicht gekracht. Die Herstellung des Farbpulvers und die Einfärbung des Rohstoffes mit diesem war dann inzwischen schon Routine. Nachdem unser Produkt den Ruheprozess durchlaufen hatte, wurde es wieder spannend. Ich brachte es in den jeweiligen flachen Schüsseln aus und begoss es mit Wasser. Die Farbe blieb am Fabrikat! Ich hatte des Rätsels Lösung gefunden und meine Frau Mal wieder Recht. Jetzt wollte ich aber den Härtetest. Ich gab die verbliebenen circa fünfzig Gramm in einen kleinen Eimer und befüllte diesen mit Wasser für einen Achtundvierzigstündigen „Tauchtest“. Ich wollte ja, dass die Farbe am Produkt haften bleibt.

Bild Tauchtest Spritzen

Diese Zeit nutzte ich, um das Trägermittel zu optimieren.
Da der von mir nach intensiver Suche ermittelte Zulieferer liebenswürdiger Weise unterschiedliche Qualitäten in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt hatte, ging ich wohlgestimmt ans Werk. Ich führte die vier unterschiedlichen Trägerstoffe mit den jeweils erforderlichen Ingredienzien zusammen und vermengte diese zu einer jeweils homogenen Masse. Wie vielleicht bereits im Vorfeld bemerkt, bin ich der Typ Mensch, welcher eigentlich alles zweckentfremdet. So auch hier. Für die erforderliche Trockenphase kam ein Heizlüfter zum Einsatz, welcher in den achtziger Jahren von meinem Vater selber gebaut wurde, um die Heimsauna meiner Eltern zu „befeuern“. Dieser tat jetzt für die von mir abverlangten Zwecke hervorragende Dienste. Nachdem die Farbstoffe dann auch die nötige Abkühlzeit durchlaufen hatten, ging´s ans Zerkleinern. Der von mir als Favorit gedachte Trägerstoff erwies sich schnell als zu ölig. Bei jedem der folgenden Arbeitsprozesse verstopfte mir dieser innerhalb kürzester Zeit meine Maschinen. Aufgrund der bis dahin gewonnenen Erfahrungen kam es aber zu keinem Maschinenschaden.

Bild „Maschine reinigen mit Pinsel“ (Edi)

Die zweite Probe tendierte ebenso in diese Richtung, wenn auch nicht ganz so extrem. Nummer drei lief eigentlich ganz gut, jedoch war der erforderliche Zeitbedarf für die Zerkleinerung zeitaufwendig. Ob der späten Stunde und eigentlich schon unlustig gestimmt, nahm ich mir die letzte Probe vor. Bereits Sekunden nachdem die Maschinen ihre Arbeit begonnen hatten, war ich schlagartig hellwach. Diese liefen ruhig und gleichmäßig vor sich hin. Kein Krachen, Quietschen, Schleifen oder Ächzen - der nächste Erfolg! Beim Reinigen meiner Hände hatte ich jedoch Mühe, diese von den Farbpulverresten zu reinigen. Das hätte mich eigentlich schon stutzig machen sollen. Um meine Gedanken neu zu sortieren, setzte ich mich auf meinen Stuhl und sinnierte einfach so vor mich hin. Was mir durch den Kopf ging kann ich nicht mehr sagen.

Bild „farbige Hände“

Plötzlich meldete sich mein „schlechtes Gewissen“. Ich hatte etwas vergessen! Irgendwie kam ich nicht drauf. Nochmals ging ich alle Rezepturen durch, checkte die Maschinen, kontrollierte die Farbträger hinsichtlich der Versuchsbereiche, ebenso die eingebrachten Farbstoffe, die Messbecher und ja sogar die Küchenwaage. Ich kam nicht darauf, was mich umtrieb und diese argen Zweifel in mir verursachte. Plötzlich erweckte ein kleiner weißer Eimer in der Ecke der Arbeitsplatte meine Aufmerksamkeit. Da war doch irgendwas damit? Nachlässig wandte ich mich diesem zu, als es mir wieder einfiel. Der Tauchversuch! Achtundvierzig Stunden waren vergangen. Ein sauberer Rührstock war schnell zur Hand. Vorsichtig begann ich, die wässrige Granulatmasse zu bewegen. Nichts verfärbte sich. So intensivierte ich die mechanische Umdrehungszahl. Trotz angestrengter Bemühungen blieb mein Rührstab aus Buchenholz (eigentlich für Holzverdübelungen vorgesehen) sowie die Innenseite des weißen Eimers, als auch das Granulat unbeeindruckt von meinen Bearbeitungsversuchen. Mit dem im Eimer befindlichen Wasser hätte man am nächsten Tag noch Kaffee kochen können. Das war´s!
Ich hatte alles zusammen. Jetzt musste aber die annähernd passende Produktfarbe für die jeweiligen Einsatzgebiete gefunden werden.

Bild „Fake Tauchtest“ (Edi)

Die folgenden Testreihen hinsichtlich der Farbgestaltung von DEFKA zogen sich dann auch noch über Wochen hin. Insgesamt wurden dreihundertvierundneunzig separate und voneinander getrennt durchgeführte Anpassungen vorgenommen. Detailliert wurden diese in eigene Reagenzgläser abgefüllt und akribisch beschriftet.

Bild „Farbbecher“

Aber es ging vorwärts.

Bild „Reagenzgläser“

Wer jetzt denkt, wir hätten gleich mit der Produktion begonnen, irrt sich gewaltig. Der nächste zu bewältigende Schritt war der kaufmännische. Die Wochen zuvor war meine Frau Abends in der Volkshochschule und drückte die „Schulbank“. Von Buchführung war da ja früher in der Schule mal was. Aber dreißig Jahre später? Also nix mehr Sudoku sondern T-Konten mussten die Gehirnwindungen verarbeiten. Ebenso die kalkulatorischen Dinge wie Wareneinkauf, Zulieferer finden und Preisermittlungen durchführen, erledigte meine Frau neben ihrer Hauptbeschäftigung. Schnell erkannte sie deshalb, dass eine Produktion bei uns zu Hause im Keller aus Platzgründen heraus nicht realisierbar war.

Während ich noch an und mit der Optimierung des Herstellungsablaufes und der Farbgebung beschäftigt war, studierte sie nicht nur ihre VHS-Hausaufgaben, sondern auch die Immobilienanzeigen der regionalen Wochenblätter und der Tageszeitung nach geeigneten Gewerbeflächen. Anhand der von uns errechneten Zahlen und der daraus resultierenden Maschinenanzahl für die von uns geplanten vier Farbvarianten, kamen wir auf eine benötigte Produktionsfläche von ca. einhundert bis einhundertzwanzig Quadratmeter. So kam es demnach auch im Herbst 2014 zu mehreren Besichtigungen. Uns beiden war klar, dass es ein für unsere Belange zugeschnittenes Objekt nicht geben würde. Viele Faktoren, welche bereits im Vorfeld in unsere Überlegungen einfließen mussten, wollten bedacht und berücksichtigt werden. Wie gestaltet sich die Verkehrsanbindung? Kann eine Anlieferung oder die Abholung mit LKW erfolgen? Sind Parkflächen und Wendemöglichkeiten vorhanden? Ist der Lieferbereich überdacht oder müssen wir die Rohstoffe zusätzlich in Plastiksäcke verpacken lassen? Welche Mehrkosten entstehen hierdurch? In welchem Umfeld ist das Objekt gelegen? Gewerbegebiet, Mischgewerbegebiet, Dorfmischgebiet, Dorfgebiet oder Wohngebiet? Überall andere Auflagen. Was ist mit den Brandschutzbestimmungen? Wieviel Strom kann vom Versorger überhaupt zur Verfügung gestellt werden? Welche Vorinstallation ist bereits vorhanden? Was muss noch zusätzlich installiert werden? Dies war ja auch wieder mit zusätzlichen Kosten verbunden. Diese und noch weitere Überlegungen mussten berücksichtigt werden, gaben uns zu Denken und beschäftigten uns noch einige Zeit.

Bild „Werkstatt zu Hause“

Die Masse der angebotenen Gewerbeflächen schied von Anfang an aus, da eine Anlieferung mit größeren Fahrzeugen aufgrund des Gewichtes nicht erlaubt war. Andere Objekte wurden in Wohngebieten oder sogar im Innenstadtbereich (Fußgängerzone) angeboten. Zudem nervte unser Steuerberater permanent. „Wir müssten jetzt endlich das Gewerbe anmelden“, gab er uns mehrfach deutlich zu verstehen. Ich drückte mich so lange es ging um diesen Termin. Ich denke jeder kann´s nachvollziehen. Es dauerte aber nicht lange, bis meine Frau mir auf die Schliche kam. So wurde ein Termin auf der Gemeinde anberaumt. Dieser verlief für mein Empfinden sehr entspannt, konstruktiv und wurde rasch abgewickelt. Nun waren wir „Geschäftsleute“.

Bild „Prost“

Wegen der erfolgreichen Geschäftsanmeldung lud ich meine Frau zu Kaffee und Kuchen ein. Daraus wurde dann aber nichts. Während der Fahrt zu dem von uns favorisierten Lokal fiel meiner Frau wieder eine Anzeige aus unserem lokalen Wochenblatt ein. Die kurze Frage ihrerseits, ob ich denn „da jetzt schon angerufen hätte?“ wurde von mir mit einem ebenso knappen „Nein“ beantwortet. Warum? Dieser Anzeige war als Text nur zu entnehmen, „Gewerbefläche zu vermieten“ und eine ortszugehörige Telefonnummer. Mehr nicht. Keine Flächenangabe, keine Lageangabe und auch keine Angabe hinsichtlich des erwarteten Mietzinses. Des „lieben Friedens Willen“ fuhr ich auf den nächsten Parkplatz und wählte die angegebene Nummer.
Bereits mit dem zweiten Freizeichen meldete sich eine männliche Stimme. Ich dachte sofort „schlechtes Zeichen, da wartet Einer nur auf den Anruf“. Ob meines Zögerns ergriff meine Frau das Wort, da das Handy in der Freisprecheinrichtung unseres Autos steckte. Sie fragte kurz die relevanten Eckdaten ab und bekam immer sofort kurz, knapp und sachlich die erforderlichen Informationen. Finale Frage unseres unbekannten Gegenübers war „und, ham Sie Interesse?“. Ohne meine Meinung einzuholen bejahte meine Frau dessen Frage. Ich dachte mir nur „na sei´s drum“. Da mir die Lage des Objektes bekannt war fuhr ich los, wendete bei der nächsten Gelegenheit und aus dem Kaffee wurde nichts, da der vereinbarter Termin in die entgegengesetzte Richtung führte.

Bild „Landschaft“ (Zugspitze 04/2014 (Damp))

Am vereinbarten Treffpunkt erwartete uns bereits der Eigentümer. Dieser war mit einem Mountainbike der „ersten Generation“ in typischer Allgäuer Arbeitskluft „angereist“. Also nix mit Lederhose und feinem Zwirn, sondern blaue Latzhose und Gummistiefel. Ein Mann der Tat. Für einen Allgäuer erwies sich dieser aber als gesprächig und eloquent. Freundlich begrüßte er uns. Ich schätzte ihn auf Ende Sechzig – Anfang Siebzig. Der Jahreszeit entsprechend, Ende November eigentlich normal, trug dieser eine handgestrickte Pudelmütze, jedoch stach mir sofort sein kugelförmiger Ohrring ins Auge. Cool; dachte ich mir. Erinnerte mich jener doch an meine eigenen „wilden“ Jahre. Wie ein Magnet wirkten jedoch seine lebenslustigen, hellen, regen und ausdrucksstarken Augen auf mich. Seine lockere, aufgeschlossene und humorvolle Art war ich von der hiesigen Bevölkerung eigentlich nicht gewohnt. Auch meine Frau nicht. Wir waren beide positiv überrascht. Die beiderseitigen Lachfalten an den Augen und den Mundwinkeln passten ins Bild. Der Drei-Tage-Bart rundete sein Erscheinungsbild ab. Das ging ja schon mal gut los. So was war uns in den bereits absolvierten Begehungen und Verhandlungen noch nicht vorgekommen. Wir waren positiv gespannt auf das was nun geschehen würde.

Bild „Kiesplatz Richtung Westen“

Von unserem Treffpunkt aus führten drei Wege in die von mir vermutete Richtung. Rechts zu einem Garagentor (zu wenig Fläche), Mittig über eine Auffahrt zu einem mit Brettern beschlagenen Heuboden (im Winter saukalt) und links in eine Einfahrt hinunter. Wir wählten zu meiner Erleichterung den linken Weg zu einer dreiflügligen, verglasten Werkstatttüre. Diese lies sich nur schwer öffnen, begleitet von den Worten „war scho lang nimmar auf“. Hierfür war die plausible Erklärung sofort parat - unseren Augen präsentierte sich nämlich ein leerer Viehstall.

Bild „alter Viehstall“

Aber irgendetwas passte nicht. Überall waren Starkstromsteckdosen und Druckluftleitungen angebracht. Die vorhandenen Futterrinnen am Boden und die „Krägen“ für die Kühe waren ja nachvollziehbar. Aber der Rest? Auch hierfür wurde die Erklärung alsbald geliefert. In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Gebäude geplant, gebaut und zu landwirtschaftlichen Zwecken genutzt.

Bild „Traktor in Scheune“

In der darüber befindlichen Tenne befand sich eine Legebatterie mit über eintausend Legehennen. Zum Wechsel in die sechziger Jahre wurde die Landwirtschaft aufgegeben um in den Räumlichkeiten eine Kfz-Werkstatt zu etablieren. Diese wurde dann vom Vorbesitzer bis Ende 2011 betrieben. Daher also der Kraftstrom und die Druckluftleitungen.

Bild „Werkstatt“ von Gutachter Bolz

Darauf folgten mehrere kurze, schnell wechselnde Mietverhältnisse, ebenso im Kfz-Bereich angesiedelt. Aus diesem Grund heraus nahm der Eigentümer vermutlich erfreut zur Kenntnis, dass wir etwas ganz anderes vorhatten. Laut seinen Schilderungen kam es vor allem bei den letzten Vermietungen immer wieder zu Problemen zwischen den Mietern und den Bewohnern der umliegenden Wohnhäuser wegen des Lärmes. Vor allem am Wochenende. Von daher hatte die Frage seinerseits nach unseren Produktionszeiten oberste Priorität. Was wir herstellen wollten, war erst mal nebensächlich. Als nächste Frage kam dann ob und wenn ja mit welchen Maschinen gearbeitet würde. Auch diese Frage wurde von uns zu dessen Zufriedenheit beantwortet. Nachdem noch weitere Punkte besprochen wurden, waren wir uns schnell handelseinig. Die Halle war groß, es gab eine Räumlichkeit für Lager und Versand sowie eine Fläche, welche als Büro für meine Frau (sehr zur Erleichterung des Steuerberaters) genutzt werden konnte. Meiner Frau und mir gefiel dieses Objekt. Es hatte so ein gewisses Flair. Auch wenn ich bereits nach ca. einer Viertelstunde bereits einschätzen konnte, was da an Arbeit auf mich zukommen würde. So wurde nach kurzer Zeit der verbale Mietvertrag geschlossen. Wir wollten uns schon verabschieden, als es dann doch noch zur finalen Fragestellung kam: „Was macht´s denn eigentlich?“. Nachdem wir ihm kurz unsere Idee und das damit verbundene Konzept eingehend erklärt hatten, wich seine anfängliche Zurückhaltung und er erkannte zwei Dinge: Erstens, dass wir uns ernsthaft mit dem Vorhaben auseinander gesetzt hatten, und
zweitens, dass daraus ein dauerhaftes Mietverhältnis entstehen könnte. Aus diesem Grund unterstützte er uns dann auch durch Investitionen seinerseits in die Bausubstanz.

Bild „Werkstatt während der Renovierung“

Auf mich aber kamen viele arbeitsintensive Wochen zu, in welchen ich unsere Produktionsfläche so gestaltete, wie sie sich jetzt präsentiert.

Bild „Produktionsfläche jetzt“

Wie Alles Begann Die Antwort auf die häufig gestellte Frage: „Wann beginnt das Leben?“ wird gerne mit „Wenn die Kinder aus dem Haus sind.“ beantwortet. So auch in unserem Fall. Nachdem im... mehr erfahren »
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Entstehung von DEFKA

Wie Alles Begann


Die Antwort auf die häufig gestellte Frage: „Wann beginnt das Leben?“ wird gerne mit
„Wenn die Kinder aus dem Haus sind.“ beantwortet.

So auch in unserem Fall. Nachdem im Frühjahr 2013 unsere Kinder „ausgeflogen“ waren, begannen wir unser Haus zu renovieren. Hierzu mussten auch diverse Baustoffe transportiert und zwischengelagert werden. An einem Tag belud ich mein Auto vier Mal randvoll mit schweren Säcken. Da meine Frau zu diesem Zeitpunkt im Haus bereits gesaugt und gewischt hatte, wählte ich den Umweg durch den Garten, um die Säcke im Keller trocken zu lagern. Beim Transport des vierten oder fünften Sackes ging mir die Kraft aus. Er entglitt meinen Händen und schlug auf dem Weg auf, welcher in den Garten zwischen der Tujahecke und unserer Garage führt. Dieser ist mit rauen Rasengittersteinen gepflastert. Hierbei platzte er natürlich an der Seite auf. Ich war wegen der „Sauerei“ und der damit verbundenen zusätzlichen Arbeit stinksauer. Mit dem linken Fuß „entsorgte“ ich den bereits aus dem eingerissenen Sack entstandenen „Haufen“ unter die Tujahecke und kümmerte mich nicht mehr weiter darum. Der aufgeplatzte Sack wurde noch im Keller verräumt.

Den Sommer über wurde dann fleißig an den unterschiedlichsten Stellen im Haus gebaut, gewerkelt, renoviert und modernisiert. Im Herbst 2013 stand dann noch die letzte Baumaßnahme an. Eine Niveauangleichung des Hofpflasters an die Garageneinfahrt.

Die Arbeit an diesem Tag ging uns gut von der Hand. Kurz nach Mittag konnten wir bereits damit beginnen, den Untergrund des frisch verlegten Pflasters zu verdichten. Als unser Haus- und Hofpflasterer Walter mit der Rüttelplatte unterwegs war, „spitzte“ er um das Garageneck Richtung Garten und meinte, in dem für ihn typischen Allgäuer Dialekt: „jetzt isch grad mal Oins, bis um Viere schaff mer des oh no“. Er meinte die vor über zwanzig Jahren verlegten Rasengittersteine, welche sich über die lange Zeit hinweg schon gesetzt hatten und mittlerweile eine Berg- und Talbahn bildeten. Da Walter keine Widerrede zuließ (obwohl wir nach den ganzen Renovierungsmaßnahmen total genervt waren) entfernte ich die Rasengittersteine, meine Frau reinigte diese, Walter zog die Planee und ich verlegte die Rasengittersteine wieder in deren ehemalige Position. Dabei fiel mir auf, dass gerade in dem Bereich unter der Tujahecke, in welchen ich ca. fünf Monate vorher den „Haufen“ reingetreten hatte, weder frische „Katzenhäufchen“ waren, noch dass es nach „Markierungen“ roch. Die Tujahecke machte auch insgesamt einen optisch besseren Eindruck. Lediglich einige alte, bereits fast verrottete „Katzenwürsterl“ fand ich noch zwischen den Stämmen. Ich zählte „Eins und Eins“ zusammen. So entstand die Idee für DEFKA.

Um sicher zu gehen züchtete ich mir nord- und südseitig gelegen jeweils ein Katzenklo. Es kam mir darauf an, Feuchtigkeit zu vermeiden, die Erde schön locker zu halten und jeden Tag den Haufen, sowohl im Einen als auch im Anderen, fotografisch zu dokumentieren, zu entsorgen,
die Erde frisch einzuebnen und nochmals fotografisch fest zu halten. Dies alles wurde über den Zeitraum vom 01. Oktober bis 31.Dezember 2013 tagtäglich um 16:00 Uhr so praktiziert.

Bild Katzenklo Süd „mit Haufen“

Am 01. Januar 2014 brachte ich dann DEFKA zum ersten Mal auf meinen Testflächen aus und goss es an. Da in diesem Winter sehr milde Temperaturen herrschten und fast kein Schnee lag, war ich von der Wirkung schon fasziniert. Bereits am nächsten Tag fand ich zwar noch Spuren von Katzenpfoten auf meiner Testfläche, aber es musste kein „Haufen“ entsorgt werden. Nach drei Tagen waren selbst Katzenspuren nicht mehr in der trockenen, aufgelockerten Erde erkennbar. „Hinterlassenschaften“ wurden auch keine mehr entsorgt. Dies hielt ich unverändert tagtäglich um 16:00 Uhr bis Mitte März 2014 fotografisch fest. Ich stellte dies dann ein, da ich keine Lust mehr hatte, „Nichts“ zu fotografieren (siehe Registerkarte „Anwendung und Fakten“).

Bild Katzenklo Süd „ohne Haufen“

Im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis wurde nun diskutiert. Wieso, Weshalb, Warum erzielte mein Mittel diesen Erfolg auf nunmehr sechs Testflächen so nachhaltig?
Die Erklärung hierfür lieferte mir ein befreundeter Doktor der Biologie. Seine Erklärungen waren schlüssig. Bedingt durch dieses Gespräch entstand auch der Firmenname „DEFKA“. Der Biologe bestärkte mich in unserem Vorhaben, sprach mir Mut zu und meinte, dass wir mit unserem Mittel vielen Menschen einen Gefallen erweisen könnten, wenn wir dies vermarkten würden.
Nun hatte ich „Blut geleckt“. Bis zur finalen Produktionsreife war es jedoch noch ein langer Weg.
Das doch schon eher recht grobe und ungleiche Ausgangsmaterial wollte zuerst einmal in eine angenehme Form gebracht werden. Der zukünftige Kunde sollte „etwas in der Hand“ haben. In der ersten Testreihe kam ein Mörser zum Zuge. So sehr ich mich auch abmühte, den Rohstoff interessierten meine Bemühungen „nicht die Bohne“. Letztendlich brach dann auch noch der Mörserstößel ab. Genervt blickte ich mich im Keller um. Irgendwie musste man dem Zeug doch beikommen. Kurz entschlossen griff ich zum Hammer. 500 Gramm Stahl sausten kurz entschlossen in einen vorbereiteten Haufen des Mittels. Es flogen im wahrsten Sinne des Wortes „die Fetzen“. Die Arbeitsplatte, der Boden, ja sogar ich waren über und über mit kleinen Fragmenten bedeckt. Klar war nun jedoch, dass irgendwo so zwischendrin die Lösung des Problems liegen musste. Mahlen war suboptimal und Schlagen zu heftig.

Bild „500 g Hammer“ (Edi)

Da meine Frau und ich in der Adventszeit 2013 unter anderem auch Spritzgebäck angefertigt hatten, erinnerte ich mich des hierfür verwendeten mechanischen Fleischwolfes. Kurzerhand ging ich in den Vorratskeller, schnappte mir diesen und montierte ihn auf meiner Arbeitsplatte. Den Rohstoff in den Trichter und die Handkurbel angeschmissen. Jack! Es funktionierte. Ich bekam als Ergebnis ein Granulat, etwa in der Form wie ich mir es vorgestellt hatte. Griffig, aber weder zu fein noch zu grob. Euphorisch machte ich mich ans Werk. Im Schweiße meines Angesichtes, die Heizung war längst aus, musste ich mir aber nach circa einer halben Stunde wilder „Kurbelei“, durchgeschwitzt und mit „glühender“ Oberarmmuskulatur eingestehen, dass die gewonnene Menge, ca. 100 Gramm, zwar in Aussehen, Form und Farbe meinen Ansprüchen gerecht wurde, eine auf Menge ausgerichtete Produktion mit dieser Art aber nicht praktikabel war. Enttäuscht gab ich für diesen Abend meine Versuche auf.

Bild „mechanischer Fleischwolf, Schweißband, feuchtes T-Shirt“ (Edi)

Mehrere Abende des Grübelns und der Überlegungen folgten. Der einzig vermeintlich brauchbare Lösungsansatz war, dem Ausgangsprodukt mit einem elektrischen Fleischwolf zu Leibe zu rücken. Gesagt – getan. Dank des Internet war ich drei Tage später stolzer Besitzer eines elektrischen Fleischwolfes. Einwandfrei ließ sich die Maschine im Trockenlauf bedienen. Sie machte sich zwar durch die Geräuschkulisse schon deutlich bemerkbar, aber es war von der Lautstärke her durchaus vertretbar. Kurz entschlossen gab ich eine Portion unseres Rohstoffes in den Fülltrichter und schaltete die Maschine an. Was unmittelbar folgte, war ein ohrenbetäubender Lärm, verbunden mit erkennbar materialaufreibenden Geräuschen, welche nach ca. drei Sekunden Betriebsdauer urplötzlich verstummten. Warum? Die nagelneue Maschine war kaputt! Ich lies für diesen Abend alles so wie es war, machte den Keller zu und ging zu meiner Frau aufs Sofa, um endlich Mal wieder das Fernsehprogramm „genießen“ zu können.

Bild: „Warum hat´s den Antrieb schon wieder zerlegt?“

Diese Thematik beschäftigte mich aber trotzdem weiter. Bereits die Tage darauf verbrachte ich die Abende wieder bei meiner Idee und nicht bei meiner Frau. Diese lies mich geduldig und mit stoischer Ruhe meine Vision verfolgen. Irgendwie musste es doch möglich sein, unseren Rohstoff „klein zu kriegen“.

Bild „orange Schnitzermühle und stochern“; Txt: „So geht´s auch nicht!“ (Edi)

Als nächstes kam unser Pürierstab, welcher eigentlich zur Herstellung unserer Marmelade angeschafft wurde, zum Einsatz. Das rasche Ergebnis war auch akzeptabel. Also erneut „www.internet.juhu“ und einen Standmixer gekauft. So einen mit Ice-crush Funktion. Was von oben (Pürierstab) geht - geht auch von unten. Sofort nach der Lieferung machte ich mich ans Werk. Inzwischen war ich ja vorsichtig geworden und begann mit einer geringen Menge. Das Resultat war gut und brauchbar. Also befüllte ich den Glasbehälter halbvoll, Deckel drauf und startete die Maschine in der Crush-Funktion. Irgendwie hatte ich jedoch bald das Gefühl, dass es „nicht richtig Vorwärts geht“ und schaltete in den Normalbetrieb. Die Maschine lief nun kontinuierlich und gleichmäßig. Jetzt sah das Ganze schon besser aus. Das Material wurde
schnell kleiner und feiner. Ich ging zum Waschbecken um meine Hände abzuspülen, als es auf einmal einen lauten „Knacks“ gab. Ich bemerkte gerade noch, dass der Glasbehälter mehrere Risse hatte, als im nächsten Moment abermals „die Fetzen“ flogen. Der Motor und der Messereinsatz liefen aber unbeirrt weiter. Unser Keller präsentierte sich jetzt aber als Schlachtfeld.
Überall Glassplitter, Granulat, Staub und vor allem ein nicht zuordbarer Gestank hing noch zusätzlich in der Luft. Sofort war mir klar, dass unser Produkt zum einen geruchsbasierend seine Wirkung entfaltet, zum anderen aber nicht zu stark erwärmt werden darf, da ich mir an den Glassplittern beim Aufräumen fast die Finger verbrannt hätte. Weil die nächste Maschine kaputt war, beendete ich für diesen Abend meine Tests.

Bild „Verlassen Keller, Türe halboffen, Kopf tief“ (Edi)

Viele Abende der Internetrecherche folgten, um eine Maschine zu finden, welche für meine Zwecke die nötigen Voraussetzungen mitbrachte. Fündig wurde ich dann in Italien. Das bestellte Gerät brauchte zwar seine Zeit, bis es geliefert wurde, aber die ersten Ergebnisse waren ausbaufähig und bedurften eigentlich nur noch Justierarbeiten an der Maschine.

Bild „Feinjustierung“ Hammerwerk (mit Zigarette?)

Nachdem die Herstellung des Grundstoffes finalisiert war, ging es nun an die Farbanpassung für die unterschiedlichen Anwendungsbereiche. Natürlich kann man ein hellblaues Granulat in einem Sandkasten ausbringen. Es sieht halt komisch aus und im Einsatzbereich der Gräber auch nicht unbedingt pietätvoll. Da ich mir zum Ziel gesetzt hatte, ein rein biologisches Produkt auf dem Markt einzuführen, war mal wieder das Internet gefragt. Die ersten Versuche mit Lebensmittelfarbe, ob flüssig oder in fester Ausgangsform, waren zum Scheitern verurteilt. Entweder war die Sättigung schlecht, die Farbe haftete nicht oder der Farbton war gar nicht erhältlich. Durch Zufall stieß ich bei meinen Recherchen auf einen Hersteller aus Frankreich, welcher mir ein Farbpulver zu einem annehmbaren Preis anbot. Aber auch dieser haftete nicht bleibend am Produkt.
Bild „Farbe mischen im gelben Meßbecher, Gelb und Schwarz“ (Edi)
Es begann die Suche nach einem organischen Bindemittel. Aus meiner Erinnerung kramte ich einen Trick meiner Oma heraus. Eines Tages brach ihr beim Kuchenbacken einmal ein Teil ab. Meine Oma „klebte“ dieses Fragment mit Eiweiß an den Kuchen und man sah nicht einmal die Beschädigung. Jeder kann sich denken, dass die Tests hiermit eigentlich schon zum Scheitern verurteilt waren. Zwei drei Tage war ja alles gut. Danach begann das Eiweiß aber zu faulen und unsere Nachbarn „rümpften“ deutlich die Nase. Es musste was anderes her.

Bild „Hexenküche“

Zwei andere Bindemittel weckten mein Interesse. Mit diesen produzierte ich jeweils ein Farbpulver und brachte es auf unserem Granulat an. Eine meiner Forderungen war ja auch, dass es bei Regen und Feuchtigkeit trotzdem am Produkt haften blieb. Nach der gebotenen Ruhephase gab ich unsere Artikel getrennt voneinander in flache Schüsseln. In dem Maße wie ich das jeweilige Granulat mit der Gießkanne befeuchtete, löste sich die Farbe. Wiedermal war ich frustriert. Mit hängendem Kopf ging ich zu meiner Frau und teilte ihr den Misserfolg mit. Gelassen nahm diese die Nachricht auf. Sie plädierte dafür, dass „ich den Mut nicht verlieren solle und das mir, wie bereits öfters geschehen, schon noch eine Lösung einfallen würde“. Trotzdem kam ich von meinen Gedankengängen nicht ab. Mit meiner Hypothese musste ich doch richtig liegen! Mein „Bauch“ sagte mir das. Kurzentschlossen sagte ich zu meiner Frau: „Ich schütt´ jetzt alles zusammen. Entweder die Garage fliegt in die Luft oder es funktioniert!“ (siehe Bild „Gleich kracht´s“).

Bild (Edi) Kradhelm, Tauchbrille, Mundschutz

Wieder ab in den Keller und frohgemut ans Werk, um das Bindemittel mit der erforderlichen Vorsicht zu mischen. Gott sei Dank hat´s nicht gekracht. Die Herstellung des Farbpulvers und die Einfärbung des Rohstoffes mit diesem war dann inzwischen schon Routine. Nachdem unser Produkt den Ruheprozess durchlaufen hatte, wurde es wieder spannend. Ich brachte es in den jeweiligen flachen Schüsseln aus und begoss es mit Wasser. Die Farbe blieb am Fabrikat! Ich hatte des Rätsels Lösung gefunden und meine Frau Mal wieder Recht. Jetzt wollte ich aber den Härtetest. Ich gab die verbliebenen circa fünfzig Gramm in einen kleinen Eimer und befüllte diesen mit Wasser für einen Achtundvierzigstündigen „Tauchtest“. Ich wollte ja, dass die Farbe am Produkt haften bleibt.

Bild Tauchtest Spritzen

Diese Zeit nutzte ich, um das Trägermittel zu optimieren.
Da der von mir nach intensiver Suche ermittelte Zulieferer liebenswürdiger Weise unterschiedliche Qualitäten in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt hatte, ging ich wohlgestimmt ans Werk. Ich führte die vier unterschiedlichen Trägerstoffe mit den jeweils erforderlichen Ingredienzien zusammen und vermengte diese zu einer jeweils homogenen Masse. Wie vielleicht bereits im Vorfeld bemerkt, bin ich der Typ Mensch, welcher eigentlich alles zweckentfremdet. So auch hier. Für die erforderliche Trockenphase kam ein Heizlüfter zum Einsatz, welcher in den achtziger Jahren von meinem Vater selber gebaut wurde, um die Heimsauna meiner Eltern zu „befeuern“. Dieser tat jetzt für die von mir abverlangten Zwecke hervorragende Dienste. Nachdem die Farbstoffe dann auch die nötige Abkühlzeit durchlaufen hatten, ging´s ans Zerkleinern. Der von mir als Favorit gedachte Trägerstoff erwies sich schnell als zu ölig. Bei jedem der folgenden Arbeitsprozesse verstopfte mir dieser innerhalb kürzester Zeit meine Maschinen. Aufgrund der bis dahin gewonnenen Erfahrungen kam es aber zu keinem Maschinenschaden.

Bild „Maschine reinigen mit Pinsel“ (Edi)

Die zweite Probe tendierte ebenso in diese Richtung, wenn auch nicht ganz so extrem. Nummer drei lief eigentlich ganz gut, jedoch war der erforderliche Zeitbedarf für die Zerkleinerung zeitaufwendig. Ob der späten Stunde und eigentlich schon unlustig gestimmt, nahm ich mir die letzte Probe vor. Bereits Sekunden nachdem die Maschinen ihre Arbeit begonnen hatten, war ich schlagartig hellwach. Diese liefen ruhig und gleichmäßig vor sich hin. Kein Krachen, Quietschen, Schleifen oder Ächzen - der nächste Erfolg! Beim Reinigen meiner Hände hatte ich jedoch Mühe, diese von den Farbpulverresten zu reinigen. Das hätte mich eigentlich schon stutzig machen sollen. Um meine Gedanken neu zu sortieren, setzte ich mich auf meinen Stuhl und sinnierte einfach so vor mich hin. Was mir durch den Kopf ging kann ich nicht mehr sagen.

Bild „farbige Hände“

Plötzlich meldete sich mein „schlechtes Gewissen“. Ich hatte etwas vergessen! Irgendwie kam ich nicht drauf. Nochmals ging ich alle Rezepturen durch, checkte die Maschinen, kontrollierte die Farbträger hinsichtlich der Versuchsbereiche, ebenso die eingebrachten Farbstoffe, die Messbecher und ja sogar die Küchenwaage. Ich kam nicht darauf, was mich umtrieb und diese argen Zweifel in mir verursachte. Plötzlich erweckte ein kleiner weißer Eimer in der Ecke der Arbeitsplatte meine Aufmerksamkeit. Da war doch irgendwas damit? Nachlässig wandte ich mich diesem zu, als es mir wieder einfiel. Der Tauchversuch! Achtundvierzig Stunden waren vergangen. Ein sauberer Rührstock war schnell zur Hand. Vorsichtig begann ich, die wässrige Granulatmasse zu bewegen. Nichts verfärbte sich. So intensivierte ich die mechanische Umdrehungszahl. Trotz angestrengter Bemühungen blieb mein Rührstab aus Buchenholz (eigentlich für Holzverdübelungen vorgesehen) sowie die Innenseite des weißen Eimers, als auch das Granulat unbeeindruckt von meinen Bearbeitungsversuchen. Mit dem im Eimer befindlichen Wasser hätte man am nächsten Tag noch Kaffee kochen können. Das war´s!
Ich hatte alles zusammen. Jetzt musste aber die annähernd passende Produktfarbe für die jeweiligen Einsatzgebiete gefunden werden.

Bild „Fake Tauchtest“ (Edi)

Die folgenden Testreihen hinsichtlich der Farbgestaltung von DEFKA zogen sich dann auch noch über Wochen hin. Insgesamt wurden dreihundertvierundneunzig separate und voneinander getrennt durchgeführte Anpassungen vorgenommen. Detailliert wurden diese in eigene Reagenzgläser abgefüllt und akribisch beschriftet.

Bild „Farbbecher“

Aber es ging vorwärts.

Bild „Reagenzgläser“

Wer jetzt denkt, wir hätten gleich mit der Produktion begonnen, irrt sich gewaltig. Der nächste zu bewältigende Schritt war der kaufmännische. Die Wochen zuvor war meine Frau Abends in der Volkshochschule und drückte die „Schulbank“. Von Buchführung war da ja früher in der Schule mal was. Aber dreißig Jahre später? Also nix mehr Sudoku sondern T-Konten mussten die Gehirnwindungen verarbeiten. Ebenso die kalkulatorischen Dinge wie Wareneinkauf, Zulieferer finden und Preisermittlungen durchführen, erledigte meine Frau neben ihrer Hauptbeschäftigung. Schnell erkannte sie deshalb, dass eine Produktion bei uns zu Hause im Keller aus Platzgründen heraus nicht realisierbar war.

Während ich noch an und mit der Optimierung des Herstellungsablaufes und der Farbgebung beschäftigt war, studierte sie nicht nur ihre VHS-Hausaufgaben, sondern auch die Immobilienanzeigen der regionalen Wochenblätter und der Tageszeitung nach geeigneten Gewerbeflächen. Anhand der von uns errechneten Zahlen und der daraus resultierenden Maschinenanzahl für die von uns geplanten vier Farbvarianten, kamen wir auf eine benötigte Produktionsfläche von ca. einhundert bis einhundertzwanzig Quadratmeter. So kam es demnach auch im Herbst 2014 zu mehreren Besichtigungen. Uns beiden war klar, dass es ein für unsere Belange zugeschnittenes Objekt nicht geben würde. Viele Faktoren, welche bereits im Vorfeld in unsere Überlegungen einfließen mussten, wollten bedacht und berücksichtigt werden. Wie gestaltet sich die Verkehrsanbindung? Kann eine Anlieferung oder die Abholung mit LKW erfolgen? Sind Parkflächen und Wendemöglichkeiten vorhanden? Ist der Lieferbereich überdacht oder müssen wir die Rohstoffe zusätzlich in Plastiksäcke verpacken lassen? Welche Mehrkosten entstehen hierdurch? In welchem Umfeld ist das Objekt gelegen? Gewerbegebiet, Mischgewerbegebiet, Dorfmischgebiet, Dorfgebiet oder Wohngebiet? Überall andere Auflagen. Was ist mit den Brandschutzbestimmungen? Wieviel Strom kann vom Versorger überhaupt zur Verfügung gestellt werden? Welche Vorinstallation ist bereits vorhanden? Was muss noch zusätzlich installiert werden? Dies war ja auch wieder mit zusätzlichen Kosten verbunden. Diese und noch weitere Überlegungen mussten berücksichtigt werden, gaben uns zu Denken und beschäftigten uns noch einige Zeit.

Bild „Werkstatt zu Hause“

Die Masse der angebotenen Gewerbeflächen schied von Anfang an aus, da eine Anlieferung mit größeren Fahrzeugen aufgrund des Gewichtes nicht erlaubt war. Andere Objekte wurden in Wohngebieten oder sogar im Innenstadtbereich (Fußgängerzone) angeboten. Zudem nervte unser Steuerberater permanent. „Wir müssten jetzt endlich das Gewerbe anmelden“, gab er uns mehrfach deutlich zu verstehen. Ich drückte mich so lange es ging um diesen Termin. Ich denke jeder kann´s nachvollziehen. Es dauerte aber nicht lange, bis meine Frau mir auf die Schliche kam. So wurde ein Termin auf der Gemeinde anberaumt. Dieser verlief für mein Empfinden sehr entspannt, konstruktiv und wurde rasch abgewickelt. Nun waren wir „Geschäftsleute“.

Bild „Prost“

Wegen der erfolgreichen Geschäftsanmeldung lud ich meine Frau zu Kaffee und Kuchen ein. Daraus wurde dann aber nichts. Während der Fahrt zu dem von uns favorisierten Lokal fiel meiner Frau wieder eine Anzeige aus unserem lokalen Wochenblatt ein. Die kurze Frage ihrerseits, ob ich denn „da jetzt schon angerufen hätte?“ wurde von mir mit einem ebenso knappen „Nein“ beantwortet. Warum? Dieser Anzeige war als Text nur zu entnehmen, „Gewerbefläche zu vermieten“ und eine ortszugehörige Telefonnummer. Mehr nicht. Keine Flächenangabe, keine Lageangabe und auch keine Angabe hinsichtlich des erwarteten Mietzinses. Des „lieben Friedens Willen“ fuhr ich auf den nächsten Parkplatz und wählte die angegebene Nummer.
Bereits mit dem zweiten Freizeichen meldete sich eine männliche Stimme. Ich dachte sofort „schlechtes Zeichen, da wartet Einer nur auf den Anruf“. Ob meines Zögerns ergriff meine Frau das Wort, da das Handy in der Freisprecheinrichtung unseres Autos steckte. Sie fragte kurz die relevanten Eckdaten ab und bekam immer sofort kurz, knapp und sachlich die erforderlichen Informationen. Finale Frage unseres unbekannten Gegenübers war „und, ham Sie Interesse?“. Ohne meine Meinung einzuholen bejahte meine Frau dessen Frage. Ich dachte mir nur „na sei´s drum“. Da mir die Lage des Objektes bekannt war fuhr ich los, wendete bei der nächsten Gelegenheit und aus dem Kaffee wurde nichts, da der vereinbarter Termin in die entgegengesetzte Richtung führte.

Bild „Landschaft“ (Zugspitze 04/2014 (Damp))

Am vereinbarten Treffpunkt erwartete uns bereits der Eigentümer. Dieser war mit einem Mountainbike der „ersten Generation“ in typischer Allgäuer Arbeitskluft „angereist“. Also nix mit Lederhose und feinem Zwirn, sondern blaue Latzhose und Gummistiefel. Ein Mann der Tat. Für einen Allgäuer erwies sich dieser aber als gesprächig und eloquent. Freundlich begrüßte er uns. Ich schätzte ihn auf Ende Sechzig – Anfang Siebzig. Der Jahreszeit entsprechend, Ende November eigentlich normal, trug dieser eine handgestrickte Pudelmütze, jedoch stach mir sofort sein kugelförmiger Ohrring ins Auge. Cool; dachte ich mir. Erinnerte mich jener doch an meine eigenen „wilden“ Jahre. Wie ein Magnet wirkten jedoch seine lebenslustigen, hellen, regen und ausdrucksstarken Augen auf mich. Seine lockere, aufgeschlossene und humorvolle Art war ich von der hiesigen Bevölkerung eigentlich nicht gewohnt. Auch meine Frau nicht. Wir waren beide positiv überrascht. Die beiderseitigen Lachfalten an den Augen und den Mundwinkeln passten ins Bild. Der Drei-Tage-Bart rundete sein Erscheinungsbild ab. Das ging ja schon mal gut los. So was war uns in den bereits absolvierten Begehungen und Verhandlungen noch nicht vorgekommen. Wir waren positiv gespannt auf das was nun geschehen würde.

Bild „Kiesplatz Richtung Westen“

Von unserem Treffpunkt aus führten drei Wege in die von mir vermutete Richtung. Rechts zu einem Garagentor (zu wenig Fläche), Mittig über eine Auffahrt zu einem mit Brettern beschlagenen Heuboden (im Winter saukalt) und links in eine Einfahrt hinunter. Wir wählten zu meiner Erleichterung den linken Weg zu einer dreiflügligen, verglasten Werkstatttüre. Diese lies sich nur schwer öffnen, begleitet von den Worten „war scho lang nimmar auf“. Hierfür war die plausible Erklärung sofort parat - unseren Augen präsentierte sich nämlich ein leerer Viehstall.

Bild „alter Viehstall“

Aber irgendetwas passte nicht. Überall waren Starkstromsteckdosen und Druckluftleitungen angebracht. Die vorhandenen Futterrinnen am Boden und die „Krägen“ für die Kühe waren ja nachvollziehbar. Aber der Rest? Auch hierfür wurde die Erklärung alsbald geliefert. In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Gebäude geplant, gebaut und zu landwirtschaftlichen Zwecken genutzt.

Bild „Traktor in Scheune“

In der darüber befindlichen Tenne befand sich eine Legebatterie mit über eintausend Legehennen. Zum Wechsel in die sechziger Jahre wurde die Landwirtschaft aufgegeben um in den Räumlichkeiten eine Kfz-Werkstatt zu etablieren. Diese wurde dann vom Vorbesitzer bis Ende 2011 betrieben. Daher also der Kraftstrom und die Druckluftleitungen.

Bild „Werkstatt“ von Gutachter Bolz

Darauf folgten mehrere kurze, schnell wechselnde Mietverhältnisse, ebenso im Kfz-Bereich angesiedelt. Aus diesem Grund heraus nahm der Eigentümer vermutlich erfreut zur Kenntnis, dass wir etwas ganz anderes vorhatten. Laut seinen Schilderungen kam es vor allem bei den letzten Vermietungen immer wieder zu Problemen zwischen den Mietern und den Bewohnern der umliegenden Wohnhäuser wegen des Lärmes. Vor allem am Wochenende. Von daher hatte die Frage seinerseits nach unseren Produktionszeiten oberste Priorität. Was wir herstellen wollten, war erst mal nebensächlich. Als nächste Frage kam dann ob und wenn ja mit welchen Maschinen gearbeitet würde. Auch diese Frage wurde von uns zu dessen Zufriedenheit beantwortet. Nachdem noch weitere Punkte besprochen wurden, waren wir uns schnell handelseinig. Die Halle war groß, es gab eine Räumlichkeit für Lager und Versand sowie eine Fläche, welche als Büro für meine Frau (sehr zur Erleichterung des Steuerberaters) genutzt werden konnte. Meiner Frau und mir gefiel dieses Objekt. Es hatte so ein gewisses Flair. Auch wenn ich bereits nach ca. einer Viertelstunde bereits einschätzen konnte, was da an Arbeit auf mich zukommen würde. So wurde nach kurzer Zeit der verbale Mietvertrag geschlossen. Wir wollten uns schon verabschieden, als es dann doch noch zur finalen Fragestellung kam: „Was macht´s denn eigentlich?“. Nachdem wir ihm kurz unsere Idee und das damit verbundene Konzept eingehend erklärt hatten, wich seine anfängliche Zurückhaltung und er erkannte zwei Dinge: Erstens, dass wir uns ernsthaft mit dem Vorhaben auseinander gesetzt hatten, und
zweitens, dass daraus ein dauerhaftes Mietverhältnis entstehen könnte. Aus diesem Grund unterstützte er uns dann auch durch Investitionen seinerseits in die Bausubstanz.

Bild „Werkstatt während der Renovierung“

Auf mich aber kamen viele arbeitsintensive Wochen zu, in welchen ich unsere Produktionsfläche so gestaltete, wie sie sich jetzt präsentiert.

Bild „Produktionsfläche jetzt“

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